E-Learning und Methodik im Deutschunterricht

Abstract zu einem Artikel von Andreas Borrmann: „Computer und Internet“ aus: Gisela Beste (Hrsg.): Deutsch-Methodik, Handbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2015, Kapitel VI, S.183-202

Ein Artikel über Computer und Internet in einem Handbuch für die Sek I und II für die Methodik um Deutschunterricht (DU) mag zunächst überraschen. Der Autor Andreas Borrmann zeigt jedoch in diesem Beitrag auf, wie der Einsatz von Computer und Internet einerseits den üblichen Methodeneinsatz bereichern kann und andererseits dem DU neue Möglichkeiten eröffnet.

img_8533Insgesamt ermöglicht der Einsatz von digitalen Geräten den Fokus auf einen prozess- und handlungsorientierten sowie schülerzentrierten Unterricht und entspricht einem gemässigt konstruktivistischen Ansatz.

Zunächst geht es darum, bewährte Methoden zu unterstützen, und zwar einerseits bezogen auf die Arbeit mit Texten und andererseits in Bezug auf die Beschaffung von Informationen.

Um das Schreiben von Texten zu üben, und damit auch das Formatieren und Layouten, und dies gleichzeitig in den Unterricht einzubinden, empfiehlt Andreas Borrmann, Elfchen oder persönliche Steckbriefe zu schreiben. Dabei schlägt Borrmann einen Prozess vom Manuskript zum Typoskript vor, damit das Verfassen der Texte direkt vor dem Bildschirm nicht zuviel Zeit verbraucht.

Beim Überarbeiten von Texten geht es um die Proszesshaftigkeit, hier zeigt sich die Stärke des Einsatzes vom Computer und auch vom Internet für den DU besonders. Andreas Borrmann zitiert in diesem Zusammenhang Marcel Reich-Ranicki, der davon überzeugt ist, dass sich die Überarbeitung von Texten am Computer sehr positiv auf den Stil auswirkt, da man eher bereit ist, den Text stärker zu überarbeiten.

Auch das Publizieren von Texten gewinnt durch den Computer- und Interneteinsatz eine ganz neue Bedeutung und führt automatisch zu einer Qualitätssteigerung der Schülertexte. Durch Netzwerke und Lernplattformen kommt hier die kommunikative Komponente hinzu: Die Lernenden können Texte miteinander bearbeiten,  kommentieren und veröffentlichen.  Dabei kann man die öffentliche Variante benutzen, oder aber, was im schulischen Kontext empfehlenswerter ist, schul- oder klassenintern arbeiten.

Für die Beschaffung von Informationen bietet sich die Recherche im Internet an, andererseits warnt Borrmann davor, die Lernenden dabei sich selbst zu überlassen. Wichtig ist, dass man mit den Lernenden erarbeitet, wie man die Suche geschickt eingrenzen kann und welche Anhaltspunkte man beachten sollte, um Informationen auf ihre Seriösität und Qualität hin zu bewerten. Der Autor empfiehlt dazu einige nützliche Links und Literaturangaben, die solche Hilfestellungen für den Unterricht anbieten. Auch beim strukturierten und sinnvollen Archivieren sollte man die Lernenden unterstützen.

Beim Schreiben von Texten, die mediale Informationen verwerten, legt Andreas Borrmann den Lehrpersonen ans Herz, den Lernenden zu zeigen, wie man mit zwei geöffneten Fenstern, einem mit dem Textverarbeitungsprogramm und einem  mit den Quelltexten, arbeitet. So wird das Abschreiben überflüssig, die Informationen können kopiert, mit Quellenangaben versehen, zunächst als Notizen gesammelt und später in den selbst formulierten Text eingearbeitet oder auch wieder gelöscht werden. Auf diese Weise besteht nicht die Gefahr, dass man nur eine Quelle verarbeitet.

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Eine DaZ-Gruppe arbeitet mit Tablets

Als Beispiele für neue Möglichkeiten in der Methodik des DU führt Andreas Borrmann E-Mails, WebQuests, Hypertexte, Wikis, Blogs, Online-Office-Programme, Hot Potatoes und Lernplattformen auf.

WebQuests ermöglichen Lernsettings, die einer gemässigt konstruktivistischen Lehr-Lernform entsprechen. Die Lernenden folgen im Rahmen einer Unterrichtseinheit aufeinander aufbauenden Seiten, die von einer Einführung mit Problemsituation durch verschiedene Lernaufgaben führen. Alle Materialien und Anleitungen sind auf dieser Page bereitgestellt und führen zu einer Präsentation der Schülerprodukte sowie einer Evaluation des Lernprozesses.

Hypertexte bieten die Möglichkeit, sich von der vermeintlich linearen Textform literarischer Texte zu entfernen und mit Verweisen auf andere Textseiten Unterrichtsinhalte modulartig zu entwickeln, wobei es dabei auch wieder ganz stark um die Handlungsorientierung geht. Vereinfacht gesagt, baut eine Klasse anhand von Aufgaben in Gruppen eine Homepage beispielsweise zu einer Lektüre mit Charakterisierungen, Rezensionen, Informationen zum Autor usw. auf. Wem es mit Editoren zu aufwändig ist, kann auch Blogging-Software dazu benutzen.

Bei Wikis geht es ähnlich wie beim Hypertext darum, dass Lernende zusammen eine Website aufbauen, indem sie gemeinsam an Lexikoneinträgen arbeiten. Das kann man in Wikipedia selbst tun, möglich ist aber auch der Aufbau eines eigenen Wikis, was man auch geschlossen, nur innerhalb der Klasse, anlegen kann. Hier kommt auch wieder der Aspekt des Schreibens als Prozess und die starke Betonung der Handlungsorientierung zum Tragen.

Blogs eignen sich zum Führen und Dokumentieren eines Lern- oder Lesetagebuches. Wichtig dabei ist, dass man Regeln zur Frequenz, Qualität und Quantität von Einträgen festlegt. Es ist ebenfalls möglich, diese Blogs nur klassen- oder schulintern freizugeben.

Online-Office-Programme ermöglichen das Schreiben mehrerer Autoren am gleichen Dokument, was zum Beispiel hilfreich ist für die Durchführung von Schreibkonferenzen. Hot-Potatoes bieten interaktive Übungsmöglichkeiten, die schnell erstellbar sind und vor allem dann einen Mehrwert bedeuten, wenn Lernende sie selbst füreinander entwerfen. So findet eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Stoff statt.

Als Ausblick für die Zukunft erwähnt Andreas Borrmann den Einsatz von Lernplattformen (z.B. Moodle und Maharadie eine Zusammenführung und Vereinfachung all dieser Möglichkeiten bieten könnten.

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Lernende der Fachmittelschule bearbeiten Aufgaben zu einem Interdependenten Lernzyklus

 

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3 Gedanken zu “E-Learning und Methodik im Deutschunterricht

  1. misselearning schreibt:

    Vielen Dank für die schöne Zusammenfassung von Bormanns-Artikel. Das tönt sehr vielversprechend und macht Lust, den ganzen Text zu lesen. Ich konnte mir bislang gar nicht wirklich vorstellen, auf welche verschiedenen Arten und Weisen man den Computer im Deutschunterricht benutzen kann. Bormann bringt viele recht konkrete Anregungen. Ich bin gespannt, wie Dein Blog-Experiment verläuft. Bitte berichten!
    Besonders einleuchtend finde ich die Feststellung, dass digitale Medien das Überarbeiten von Texten erleichtern. Während ich meine über 400 Seiten lange Promotionsschrift verfasst habe, stellte ich mir oft vor bzw. konnte mir irgendwie nicht wirklich vorstellen, wie man das gemacht hat, bevor es Computer gab – also vor nicht allzu langer Zeit. Wie oft habe ich Seiten ausgedruckt, am Ausdruck rigoros überarbeitet und dann ganz einfach, mit wenig Aufwand ganze Kapitel umgestellt, Formulierungen verändert oder einfach Fehler korrigiert. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie furchtbar umständlich sich das an der Schreibmaschine gestaltete.
    Bestimmt ist es auch für SchülerInnen und Schüler ermutigend, wenn sie mit wenig Aufwand Texte verändern können.
    Die Kehrseite der Medaille scheint mir die Ablenkungsmöglichkeiten, die jeder Computer mit sich bringt. Fotos, E-Mails oder einfach ein überfüllter Schreibtisch, der entrümpelt werden will, können ganz gut als Vorwände dienen, weshalb man leider gerade nicht an der Arbeit schreiben kann, die man eigentlich schreiben soll. Lustigerweise gibt es deshalb Computerprogramme bzw. Editorprogramme, die das weisse Papier quasi simulieren. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Omm-Writer gemacht. Wenn man den installiert, erscheint auf dem Bildschirm eine weisse Seite mit ein paar Bäumen und ein ganz simples Editorprogramm, neben dem man keine anderen Fenster geöffnet haben kann. Optional wird der Schreibende von meditativer Musik begleitet. Man profitiert also von den Vorteilen des weissen Papiers – Übersichtlichkeit, Einladung zum Schreiben, wenig Ablenkung – und kann gleichzeitig den Luxus des digitalen Schreibens nutzen – etwa die einfache Fehlerkorrektur.

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    • Lernbausteine schreibt:

      Danke für den Tipp mit den Omm-Writer, das ist eine tolle Idee! Ich gebe dir recht, Abwechslung ist gut – aber Ablenkung wäre dann wieder kontraproduktiv. Ich habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass Lernende, die von sich aus eine gute Arbeitshaltung haben, doch auch „dran“ bleiben, vor allem wenn sie zeitlich festgesetzte Abgabetermine haben. Bei den Lernenden mit einem eher hilflosen Arbeits- und Lernverhalten wäre das aber ein guter Tipp. Vielleicht werde ich es auch ausprobieren, wenn ich meinen nächsten Leistungsnachweis schreiben muss…

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