Hoffnungslos konzeptlos?

Manchmal fühle ich mich konzeptlos. Das heisst: wir brauchen ein Konzept, um uns im Leben zu orientieren. Und nicht nur im Alltag: auch beim Lernen ist ein Konzept hilfreich. Dabei möchte ich auf die Didaktischen Big 5 (Heiniger 2015) verweisen:

Begriffe – Zusammenhänge – Konzept – Kontext

big5rahmen

 

 

Um Wissen zum Können zu überführen, müssen wir damit beginnen, die Schlüsselwörter eines Themas, Begriffe oder Fakten zu identifizieren und zu klären. Dann werden Zusammenhänge zwischen zunächst wenigen Begriffen hergestellt. Das entspricht im Experten-Novizen Modell (Dreyfus&Dreyfus) dem Anfänger. Beim Zusammenfügen aller Begriffe entsteht schliesslich ein Konzept und man kann sich als Fortgeschrittener einstufen. Der Weg zum Könner geht über die Nutzung und Anwendung des Konzepts in unterschiedlichen Kontexten. Ein Experte zeichnete sich dadurch aus, dass er Intentionen ergründen kann, um Bedeutung herzustellen und zu erkennen. Im interdependenzen Lernzyklus arbeite ich sehr gerne mit dieser Vorgehensweise und dazu bietet es sich an, ein Concept Map mit den Lernenden herzustellen.

„Für die Konstruktion komplexer Aufgaben haben sich folgende drei didaktische Konzepte bewährt: die erweiterte bloomsche Taxonomie, das Novizen-Experten-Modell, die didaktischen Big 5.“ (Heiniger 2015, S.11)

Die Analysen von John Hattie (Lernen sichtbar machen) schätzen die Arbeit mit Concept Maps mit einer Effektstärke von d=0.60  ein. Das bedeutet, Concept Mapping kann die Lernleistungen sichtbar positiv beeinflussen. Was aber ist eine Concept Map?

Was ist eine Concept Map?

Eine Concept Map ist die Visualisierung von Begriffen (= Concepts) und ihren Zusammenhängen in Form eines Netzes. Die Elemente sind Rechtecke, Pfeile und Pfeilbeschriftungen. Die Rechtecke repräsentieren Begriffe (Schlüsselwörter). Die Pfeile zwischen den Begriffen symbolisieren Beziehungen zwischen den Begriffen. Die Pfeilbeschriftungen spezifizieren die Art der Beziehungen, die Pfeilspitze legt die Leserichtung fest.

Die Beziehung kann

  • statisch sein: z.B.: entspricht, ist, ähnelt, ein Teil von, besteht aus
  • dynamisch sein: z.B.: führt zu, durch, verändert, hat zum Ziel bewirkt, dient, wirkt als, beeinflusst, benötigt, spricht für, erhöht, verringert

Wie wird eine Concept Map erstellt?

  • Schlüsselwörter zu einem Thema suchen und ihre Bedeutungen aufschreiben, z.B. mit einer Lernkartei oder einem Glossar.
  • Jetzt müssen die Begriffe als Rechtecke angeordnet, mit Pfeilen verbunden und beschriftet werden.
  • Man kann die Concept Map von Hand zeichnen, aber das ist sehr zeitaufwändig und braucht viel Platz. Es sind in der Regel mindestens drei Neukreationen und Umstrukturierungen nötig => genau dabei lernt man am meisten. Daher gibt es geeignete Computerprogramme, wie z.B. cmapTools.
  • Hier findet ihr eine deutschsprachige Anleitung zum Umgang mit der Software.

Hier ein sehr differenziertes Detailkonzept  aus dem DaZ-Unterricht. Diese Cmap ist sehr komplex, und wir haben es gemeinsam im Unterricht über mehrere Wochen verteilt miteinander erstellt. Wenn die Lernenden selbst eine Concept Map erstellen, sollten sie mit wenigen Begriffen arbeiten, ja nach Altersstufe und Schulform mit 20 bis maximal 40 Begriffen.

 

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Vier Fälle DaZ

 

Dieses Beispiel stammt aus dem Psychologieunterricht einer 12.Klasse in der Fachmittelschule.

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Psychologie Fachmittelschule

Und last but not least ein Beispiel aus dem Berufskunde-Unterricht.

bewerbung

Berufskunde im 10.Schuljahr (Brückenangebot)

 

Quellen:

Prof. Heiniger, P. (11/2015). Anleitung zur Konstruktion von kompetenz- und handlungsorientierten Lernaufgaben. Publikation in Vorbereitung. Kreuzlingen: PHTG.

 

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Ein Gedanke zu “Hoffnungslos konzeptlos?

  1. misselearning schreibt:

    Hallo liebe Reini,
    danke für den schönen Beitrag. Mir gefällt an allen Deinen Beiträgen, wie gut sie aufgebaut sind. Dahinter ist jedenfalls immer ein Konzept erkennbar: hier sehr schön von der Notwendigkeit der Konzepte über Theorien zum Lernen mit Konzepten hin zu den Beispielen. Von der Strukturiertheit Deiner Beiträge könnte sich manch einer etwas abgucken. Wenn ich Seminar- und Bachelorarbeiten korrigiere, betreffen meine Kommentare sehr oft die Art und Weise, wie an sich interessante und gut recherchierte Inhalte vermittelt werden – nämlich leider recht oft ziemlich konzeptlos. Eine fehlende oder unlogische Gliederung macht einen Text unheimlich schwer lesbar und ich kann mir gut vorstellen, dass es beim Lernen genau so ist. Wenn man den Stoff nicht gut sortiert ablegt, entsteht Chaos.

    Gefällt 1 Person

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