Zwei wissen mehr als einer allein

Miteinander arbeiten

Ein wichtiges Kennzeichen für das Niveau der Professionalisierung bei Lehrpersonen ist, inwieweit man kollegial miteinander zusammen arbeitet. Der Austausch von Wissen, Erfahrungen und Material mit Kollegen des gleichen Faches oder fachübergreifend kann sich sehr positiv auf Unterrichtsgestaltung und den Umgang mit den Lernenden auswirken. Die Lernenden profitieren, wenn sie ähnliche Formen bei verschiedenen Lehrpersonen wiedererkennen, und die Lehrenden können einander ihr Wissen und know how zur Verfügung stellen oder aufgetretene Probleme und Schwierigkeiten gemeinsam lösen.

Kopfrechnen mit Papier und Feder

So hat an unserer Schule nun eine Zusammenarbeit gerade auch im Bereich e-Learning begonnen. Die Moodle- und Mahara-Erfahrungen, von denen ich berichtet habe, konnte ich schon einigen Kollegen weitergeben. Aber auch ich kann von den Ideen und der Arbeit meiner Kollegen profitieren. So haben ein Kollege und ich schon seit mehreren Schuljahren überlegt, wie wir unsere Parallelklassen in Mathematik, Berufsbildungsjahr 10.Schuljahr (Brückenangebot), dazu bekommen könnten, das Kopfrechnen zu üben. Zunächst haben wir ein geniales Lehrmittel gefunden, das Multiple Choice Aufgaben nach der Idee des Millionenspiels in grossen Mengen als Kopiervorlagen zur Verfügung stellt. Diese haben wir dann die Lernenden mithilfe eines simplen Excelformulars in Papierform (tatsächlich) ausfüllen lassen.  Wir konnten immerhin den Lösungsschlüssel daneben legen und waren so relativ schnell fertig mit der Auswertung. Somit waren unsere Lernenden also mal erfolgreich dabei, Kopfrechnen zu üben. Aber wir hatten trotzdem noch zu viel Arbeit zum Korrigieren und die Rückmeldung für die Lernenden dauerte zu lange. Also überlegten wir, wie wir das in e-Learning-Formen realisieren könnten.

 

Kopfrechnen und e-learning

kopfrechnen-educanetWir versuchten es mit einem Courselet in educanet. Das kann man ohne Programmier-Kenntnisse machen, ich habe bereits die gesamten Grammatikübungen für ein Jahr DaZ-Unterricht in Form von Courselets erstellt. Für das Kopfrechnen bedeutete das aber, dass wir alle Zahlen und Antwortmöglichkeiten mit hinterlegten Lösungen für jeden Test vorher eingeben mussten. Von dieser Arbeit ein zweites Mal zu profitieren war erst im folgenden Schuljahr beim nächsten Durchgang möglich. Den Lernenden machte es Spass, so zu arbeiten, sie sahen ihre Punktzahl sofort (nicht jedoch die Note), aber wir hatten mehr Arbeit als mit der Papiervariante.

 

Google Formulare

Was wir wollten, war die Möglichkeit für die Lernenden, in einem Formular im Internet ihre Antworten einzutippen, das wir niemals anpassen müssen. Die Antworten sollten automatisch ausgewertet werden und wir träumten davon, direkt die Punktzahl und die Note zu erhalten. Mein Kollege hat an der Uni die Programmiersprache Visual Basic gelernt und machte sich daher an das Projekt. Er opferte einige Stunden seiner unterrichtsfreien Zeit dafür und erstellte in Google ein Umfrageformular und programmierte die Auswertung mit Visual Basic.

Das Umfrageformular enthält jeweils vier Antwortmöglichkeiten. Die Lernenden bekommen eine Testpersonen-Nummer zugeteilt, die für sie immer gleich bleibt. Die Aufgaben kopieren wir und geben sie als Formulare in Papierform aus. Diese Arbeitsblätter dürfen nicht beschrieben werden, damit wir sie wiederholt verwenden können. Die Lernenden tragen neben ihrer Testpersonen-Nummer noch die Nummer und Version vom Arbeitsblatt ein. Dann kreuzen sie die Multiple-choice Auswahlmöglichkeiten an. Auf dem Arbeitsblatt sind also für eine Rechenaufgabe vier Lösungsmöglichkeiten angegeben, die mit A-D beschrieben sind. Im Google-Formular brauchen sie nur noch jeweils A,B,C oder D auswählen und am Schluss mit „Senden“ abschliessen. Als Lehrperson rufe ich die Antworten im Google MR-Formular ab.

Visual Basics

Jetzt kommt Visual Basic ins Spiel. Wir kopieren die Ergebnisse in ein Excel-Dokument, das mein Kollege mit Visual Basic programmiert hat. Die Lösungen sind dort ebenfalls hinterlegt. Durch das Aktivieren der Makros brauche ich als unwissende Endbenutzerin nichts mehr anderes tun, als mich auf die Programmierfähigkeit meines Kollegen zu verlassen: Ich klicke lediglich auf Ausführen, und voilà, ich habe die Punktzahlen und Noten jedes Lernenden, der gerade einen Test absolviert hat. Die Lernenden machen ein-bis zweimal in der Woche so einen Kopfrechentest und wir haben direkt die Testanzahl, die Einzelnoten und die Durchschnittsnoten. Mein Kollege hat sehr viel Zeit investiert – aber nun brauchen wir überhaupt keine Zeit mehr dafür und haben das erreicht, was wir eigentlich wollten: Papiersparende, attraktive Übungsmöglichkeiten für die Lernenden mit direktem Feedback.

 

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