Vom Konsumenten zum kommunikativen Produzenten…

Die Bedeutung von Web 2.0

Wenn man sich mit e-learning befasst, kommt man um den Begriff Web 2.0 nicht herum. Dieses Schlagwort bezeichnet in erster Linie keine neue Technologie, sondern eine veränderte Haltung.

„Das Web der Inhaltskonsumierenden wurde zu einem Web von miteinander kommunizierenden Inhaltsproduzierenden.“ (Ebner/Schön, Nagler 2013, S.8)

Das Internet ist erwachsen geworden. Der Internetbenutzer  liest nicht einfach nur Webseiten, sondern kann aktiv mitgestalten, unabhängig von Programmierkenntnissen und Plattformen. Wir haben es mit einem Mitmach-Web zu tun, und was auch immer wir unter Web 2.0 verstehen, die Gemeinsamkeit ist, dass…

„…der Fokus auf Interaktion (Kommunikation, Arbeiten, Teilen) der Benutzenden liegt.“ (Ebner/Schön, Nagler 2013, S.8)

Web 2.0 drückt die rasante Entwicklung und Veränderung der Bedeutung des Webs aus. Es hat meine persönlichen Erfahrungen und Verhaltensweisen in Bezug auf Internet, Kommunikation und Mobilität in der eigenen Chronologie massgeblich beeinflusst.

Meine technologische Chronologie

1989 träumt Tim Berners-Lee (einer der Vordenker des World Wide Web, von einem Internet, in und über welches alle mit allen alles teilen können (Berners-Lee 1989)

1993 bekomme ich als Abiturientin meinen ersten Laptop, ausgemustert aus der Firma meines Freundes. Bei einem Dokument, das mehr als 10 Seiten hatte, zeigt das Textprogramm alle Buchstaben untereinander an statt als Fliesstext

1999 richte ich als Lehramtsstudentin an der Uni Frankfurt kurz vor meinem Examen meine erste E-Mail-Adresse ein und erlerne das Surfen und Recherchieren im Internet. Zuhause besitzen wir einen Internet- und Faxanschluss

2000 unterrichte ich mit Papier, Büchern und Wandtafel

2002 bekommt mein Mann seine erste digitale Kamera zum Geburtstag

2003 bekomme ich mein erstes Mobiltelefon, mit dem man telefonieren kann

2005 richte ich meinen ersten Blog über die Erlebnisse meiner Familie ein und versuche, mir HTML-Kenntnisse anzueignen, um ihn schöner zu gestalten

2008 habe ich mein erstes Mobiltelefon, mit dem man etwas mehr tun kann als telefonieren

2010 erster Post in einem sozialen Netzwerk, via Laptop, ohne Programmierkenntnisse stelle ich Fotos von Familie und Landschaft ins Internet

2012 kaufe ich mir mein erstes Smartphone (damit kann man auch telefonieren), gefolgt vom ersten Tablet, das ich vor allem für den Unterricht  brauche, um Videos und Hörtexte zu präsentieren

2015 Smartphone, Tablet und Laptop sind meine ständigen Begleiter, Nachrichtenaustausch bei WhatsApp hat das Telefonieren und Mailen weitgehend ersetzt, auf das Internet greife ich ständig zu, unterwegs per Hotspot, Social Network  ist alltäglich (nicht als Lurker)

2016 medien- und technologiefreie Ferien: 5 Tage Kanuwandern und Biwakieren an der Loire zwischen Digoin und Charité-sur-Loire. Natürlich wird die Zusammenfassung der Reise später gepostet und gebloggt. Die Kamera war keine Handykamera!

2017: ich lese meine Bücher auf dem Tablet, ich unterrichte fast ausschliesslich papierlos, mit Blended Learning

Technologie immer und überall?

Elba mit Rahmen

Auf Elba im Herbst 2016

Technologiefreie Ferien sind für dieses Jahr wieder geplant, werden von den Kindern ebenfalls gewünscht (8-15 Jahre). Kanuferien eignen sich dazu übrigens hervorragend, denn die hochtechnologisierten und superteuren Geräte sind natürlich einfach zu schade für den ständigen Kontakt mit Wasser. Allerdings hat mein Mann sich gerade ein Caterpillar-Natel angeschafft. Das ist bruchfest und wasserdicht…Schliesslich muss man ja für den Nofall gerüstet sein. Aber: einmal nicht Produzent sein, und kommunikativ auch mal wieder rein physisch. Von Mensch zu Mensch und in Kontakt mit der realen, spürbaren und auch unberechenbaren Natur. Auf dem Wasser unterwegs sein, bedeutet, moderne Technologien nutzen, wie z.B. exakte Wettervorhersagen und geografische Ortungsmöglichkeiten. Aber jeder Guide erzählt dir, dass du dabei nicht vergessen darfst, die Natur, das Wetter und die Gegebenheiten selbst auch zu beobachten, „real life“. Und zu erfahren, dass nicht alles planbar, kommunizierbar und vorhersagbar ist. Und schon gar nicht beeinflussbar. Wichtig bleibt daher immer, zu entscheiden, inwiefern mir die hervorragenden technologischen Möglichkeiten einen echten Nutzen bringen, und inwieweit etwas Abstand und Verzicht gut täte.

Die Bedeuting von E-Learning 2.0

Zu den Web 2.0 Anwendungen kann man Wikis, Weblogs, Podcasts, Soziale Nezwerke und Medienplattformen (wie z.B. Youtube) zählen. Für das E-Learning 2.0 stehen diese Werkzeuge zur Verfügung. Wie beim Web 2.0 bedeutet E-Learning 2.0 aber nicht nur die Verwendung gewisser Anwendungsmöglichkeiten.

„Der Begriff E-Learning 2.0. (… ) beinhaltet auch die veränderten Beteiligungsmöglichkeitn, die neuen didaktisch-mehodischen Möglichkeiten und Auswirkungen für das Lernen (und Lehren).“ (Ebner/Schön, Nagler 2013, S.9)

Die Lernenden arbeiten selbstgesteuerter und selbstorganisierter, die Lehrperson wird zum Coach. Lernen ist öffentlich geworden, Lernmaterialen stehen in nahezu unbegrenz m Ausmass im Netz zur Verfügung. Im Netz tauschen sich Lernende in Online-Gemeinschaften aus. Technologiegestütztes Lernen und Lehren ist ein neues Forschungsfeld, das interdisziplinär vor allem von der pädagogische-psychologischen Forschung und der Informatik beeinflusst wird.

Die Implementierung technologiegestützen Lernens verläuft allerdings von jeher von Euphorie über Schreckensszenarien bis hin zu einer Konsolidierungsphase, in der sich dann erst herausstellt, was an Nachhaltigkeit und wirklichem pädagogischem Mehrwert übrig bleibt.

„E-Learning 2.0 ist derzeit eher für eine kleine Zahl von Lehrenden und Lernenden Realität; und es bedarf einer grossen Portion Motivation sowei Medien- und Lernkompetenz, um breitflächige und nachhaltige Veränderungen herbeizuführen.“ (Ebner/Schön, Nagler 2013, S.11)

E-Learning 2.0 schafft neue Lehr- und Lernmöglichkeiten. Dadruch stellt es  auch neue Anforderungen an die Gestaltung eines Lehr- und Lernprozesses und an die Medien- und Lernkompetenz der Lernenden, an ihre Fähigkeit zur Selbststeuerung und zur Personalisierung der Inhalte.

Die Ausmasse der Entwicklung des allgegenwärtigen Internets und damit verbundenen neuen Anwendungen ist heute noch nicht zu überblicken. Hier ein Ausblick:

Quellen:

Ebner,M. / Schön, S. / Nagler, W. (2013). Das Themenfeld „Lernen und Lehren mit Technologien“. Aus: Ebner, M./Schön, S. (Hrsg.): Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. URL: http://l3t.eu

Berners-Lee, T. (1989). Information Management: A PRoposal, CERN. URL: http://www.w3.org/History/1989/proposal.html [21-1-2011]

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Ein Gedanke zu “Vom Konsumenten zum kommunikativen Produzenten…

  1. birdy1976 schreibt:

    Die Idee der technologischen Chronologie gefällt mir super! Das Wearable Gestural Interface aus dem Video auf YouTube erinnert mich ein bisschen an Google Glass nur, dass hier transparent ist, was die tragende Person gerade damit anstellt 🙂

    Gefällt 1 Person

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